Zu Ostern

Kirschblüte / Bild: alt-katholisch
Kirschblüte
alt-katholisch

In Japan wird seit 1.000 Jahren im Frühling mit dem Kirschblütenfest die Schönheit der aufblühenden Natur gefeiert. Diesmal möchte ich dazu einladen, wenn wir uns hier von Kirschblüten so faszinieren lassen wie die beiden Fotografierenden auf Krefelder Straßen, auch in Gedanken bei den Menschen zu sein, denen im Land der aufgehenden Sonne momentan wirklich nicht zum Feiern zu Mute ist.

In weniger als sieben Jahrzehnten haben Millionen japanischer Männer, Frauen und Kinder schon dreimal unter der Atomkraft gelitten: In Hiroshima, in Nagasaki und jetzt in Fukushima.


Albert Schweitzer ist nach dem 2. Weltkrieg aus christlicher Verantwortung heraus bereits kompromisslos gegen alle Atomversuche eingetreten. Seit Tschernobyl wissen wir jedoch, dass der Begriff „Atom-Versuch“ inzwischen eine neue, weiter gehende Bedeutung hat: Da geht es nicht mehr allein um pure Waffen, sondern ganz schlicht um die Fehlerhaftigkeit von Mensch und Material. Aus gutem Grund lehnt unsere alt-katholische Kirche Theorien ab, welche in bestimmten Situationen die Unfehlbarkeit eines Menschen voraussetzen.


Kirschblüte im Park / Bild: alt-katholisch.de
Kirschblüte im Park
alt-katholisch.de

Wenn es aber nach unserer Überzeugung keinen unfehlbaren Papst gibt, dann gibt es auch keinen unfehlbaren Techniker. Fukushima ist der Beweis, dass Energiegewinnung, die trotzdem unfehlbare Entscheidungen erfordert, scheitern muss. Insofern gibt es auch keine „friedliche Nutzung“ von Kern-Kraft. Eine Technik, die weite Landstriche für viele Jahrhunderte unbewohnbar macht und deren Abfälle Jahrtausende bewacht werden müssen, ist nicht „friedlich“ nutzbar.


Wenn die alten Römer schon in der Lage gewesen wären, Atomkraftwerke zu betreiben und dann in unserem Gemeindegebiet, etwa im Krefelder Vorort Gellep oder in Xanten nicht Zwischenlager für Legionäre, sondern Endlager für abgenutzte Uranstäbe eingerichtet hätten, dann müssten wir ihren Atommüll heute noch bewachen, ja schlimmer: Uns nachfolgende Generationen müssten das noch mehrere tausend Jahre tun! Lassen wir uns nicht von den endlos währenden Karfreitagen solcher Todes-Mächte gefangen halten, sondern leben wir auf Ostern hin. Befreien wir uns von einer derart größenwahnsinnigen Lebensgefahr! Gott will, dass das Leben siegt. Und so schenke er möglichst vielen Menschen noch viele Kirschblütenfeste…