Frauen-Dekanatstag in Krefeld

Frauendekanatstag 2017 in Krefeld

 

Das Labyrinth – Der Weg zur eigenen Mitte   

 

Am 8.7.2017 trafen sich 25 Frauen aus dem Dekanat NRW, um sich mit dem Labyrinth als Symbol für den eigenen Lebensweg zu befassen.

 

Angela Klein-Kohlhaas referierte zunächst in einem ersten Programmpunkt zur Geschichte dieses Symboles: Spuren sind schon seit fünftausend Jahren zu finden und ein Labyrinth zu begehen ist ein uraltes Ritual, dessen Ziel es ist, die eigene Mitte zu finden, um Kraft zu schöpfen für all das, was uns im Außen umgibt. Im Laufe der Geschichte veränderten sich Form und Inhalt des Labyrinths. Der Vortrag beschäftigte sich besonders mit der klassischen Urform,  deren sieben Umgänge zwei Besonderheiten ermöglichen: das endlose Wiederholen der Form als Symbol für die Weitergabe des Lebens und die Möglichkeit, sich auf einem Stück gemeinsamen Weges einer anderen Frau anzuvertrauen. 

 

In drei Arbeitsgruppen ging es am frühen Nachmittag weiter.

 

Zum einen wurde ein auf den Fußboden gestreutes Labyrinth auf verschiedene Arten begangen. Eine Frau, welche die Mutter symbolisierte, ging das Labyrinth zunächst alleine, verharrte in der Mitte und nahm auf dem Rückweg eine andere Frau (Tochter) an die Hand, um sie ein Stück des Weges zu führen und sie dann auf ihrem weiteren Weg allein weitergehen zu lassen – in die Freiheit, selbst zu handeln. Auf ihrem Rückweg nahm sie dann ihrerseits eine junge Frau an die Hand und begleitete sie ein Stück des Wegs. So wurde das Sich-Anvertrauen an eine andere Frau und der Wechsel zwischen dem anfänglichen Geführtwerden und späteren Führen verdeutlicht. Während der zweiten Choreografie der Labyrinth-Forscherin Li Shalima gingen acht Frauen nacheinander, jeweils mit einem Buchstaben gekennzeichnet, durch das Labyrinth. Erst als alle acht im Labyrinth waren, wurde während einer einzigen Runde das Wort „HARMONIE“ lesbar – wie so oft auch im richtigen Leben ein kostbarer, kurzer Moment.

 

In der zweiten Gruppe wurde zum  Vater unser  in der aramäischen Sprache gearbeitet. Aramäisch ist die Sprache Jesu, in der er das Gebet gelehrt hat und in der es in der jungen Kirche tradiert wurde. Wir konnten erfahren, um wie viel breiter gefasst die Urform des Gebetes war und wir eng gefasst es heute ist. Und: diese alte Sprache ist moderner, zeitgemäßer als gedacht.

Sie spricht gleichberechtigt alle Menschen, und sieht Gott als ein universelles Sein, nicht als patriarchalisches Wesen an. Die Diskussion darüber war lebhaft und weit gespannt. Es flossen auch viele persönliche Gebetserfahrungen in die Diskussion ein.

                                                                                               

Die dritte Gruppe von Frauen übte sich unter Leitung von Anja Lauf darin, zunächst ein Labyrinth auf kariertem Papier zu konstruieren, um dieses zuletzt mit wetterfester Farbe freihand auf einen Stein aufzubringen. Konzentriert gingen die Frauen ans Werk und erzielten eindrucksvolle Ergebnisse, die mit nach Hause genommen bestimmt einen schönen Platz bekommen haben…

 

Im weiteren Verlauf schauten sich die Beteiligten einen Film über die Organisation medica mondiale an, die sich seit über 20 Jahren für Frauen einsetzt, die Opfer sexualisierter Gewalt bei Kriegen geworden sind. Neben wichtiger Lobbyarbeit bei den Vereinten Nationen leistet der Verein tatkräftig Hilfe. In 11 Ländern, u.a. im Kosovo, Afghanistan, Irak, Kongo und Liberia werden Frauen therapeutisch und medizinisch betreut, erhalten Rechtsbeistand und ökonomische Unterstützung. Mit Hilfe einheimischer Ärztinnen, Krankenschwestern und Sozialarbeiterinnen baut medica mondiale in diesen Ländern ein Netz zur Selbsthilfe auf. Viele Frauen haben nach traumatischen Erlebnissen erst durch diese Hilfe neuen Lebensmut gefunden.

Auch in Deutschland ist die Organisation aktiv. Hier werden Flüchtlingsfrauen durch Seminare qualifiziert, andere Geflüchtete in ihrer neuen Umgebung zu begleiten.

 

Dr. Henrika Burgener vom Frauengeschichtsverein „EUREGIA – Frauenwege zwischen Rhein und Maas e.V.“ erläuterte ausführlich die eindrucksvolle Biographie der Gründerin Dr. Monika Hauser, die neben vielen Auszeichnungen 2008 den Alternativen Nobelpreis erhielt.

 

Der diesjährige Frauen-Dekanatstag wurde von Andrea Behling und Hilde Freihoff mit einem Gebet und Gesängen aus Taizé abgerundet.

 

Ein Dank geht an das Vorbeitungsteam, unterstützt von Lisa Schmidt, für einen

bewegten Tag, der informativ, kommunikativ, tiefgründig und eindrucksvoll Spuren hinterließ.

 

                                                                                                 Text: A. Klein Kohlhaas, A. Behling, H. Freihoff

                                                                                                                                                                                                                                          

Das begehbare Labyrinth im Festsaal / Bild: A. Behling
Das begehbare Labyrinth im Festsaal
A. Behling
AG Labyrinthgänge / Bild: A. Behling
AG Labyrinthgänge
A. Behling
zu zweit im Labyrinth / Bild: A. Behling
zu zweit im Labyrinth
A. Behling
Harmonie im Labyrinth / Bild: A. Behling
Harmonie im Labyrinth
A. Behling
In der Mitte zur Ruhe finden / Bild: A.Behling
In der Mitte zur Ruhe finden
A.Behling
Vortrag Angela / Bild: A. Behling
Vortrag Angela
A. Behling
Vortrag Angela in der Kirche / Bild: A. Behling
Vortrag Angela in der Kirche
A. Behling
AG Das Vater unser in aramäischer Sprache / Bild: A. Behling
AG Das Vater unser in aramäischer Sprache
A. Behling
AG Labyrinth auf Steine / Bild: A. Behling
AG Labyrinth auf Steine
A. Behling
Bei der Arbeit / Bild: A. Behling
Bei der Arbeit
A. Behling
Die Labyrinthsteine / Bild: A. Behling
Die Labyrinthsteine
A. Behling
Konstruktion eines Labyrinths / Bild: A. Behling
Konstruktion eines Labyrinths
A. Behling
Partnerinnenarbeit / Bild: A. Behling
Partnerinnenarbeit
A. Behling
Beim Mittagessen / Bild: A. Behling
Beim Mittagessen
A. Behling
Der Melonenhai von Lisa / Bild: A. Behling
Der Melonenhai von Lisa
A. Behling
Vortrag medica mondiale / Bild: A. Behling
Vortrag medica mondiale
A. Behling
Stehkaffee / Bild: A. Behling
Stehkaffee
A. Behling
Geschenk für alle Frauen von Erika getöpfert / Bild: A. Behling
Geschenk für alle Frauen von Erika getöpfert
A. Behling
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