Was ist unverwechselbar christlich ?

Einem der bekanntesten Nobelpreisträger wird das Zitat zugeschrieben: „Die Wahrscheinlichkeit, das Universum existiere allein durch eine Kette von Zufällen, erscheint ungefähr so groß wie die Chance, dass eine Uni-Bibliothek mit einer Million Büchern durch die Explosion einer Papierfabrik entstanden ist.“

Der christliche Glaube nimmt allerdings an, dass eine unvergleichlich geniale Intelligenz mit dem Weltall mehr als nur ein gigantisches, seelenloses Computerspiel zum göttlichen Zeitvertreib geschaffen hat. Auf einem vergleichsweise winzigen Planeten irgendwo in einer galaktischen Randzone der Milchstraße ließ Gott aus echter Zuneigung auch uns Menschen entstehen. Er zeigt sozusagen Liebe zum besonderen Detail.
Und er will mit diesen Wesen weit mehr als lediglich eine Art Versuch durchführen. Gott möchte mit ihnen - trotz ihrer Fehler und Schwächen - sogar gewissermaßen eine partnerschaftliche Beziehung eingehen. Es wäre ja auch purer Egoismus und keine Liebe, wenn die göttliche Weisheit ausschließlich sich selbst lieben und mit uns lediglich experimentieren würde.

Damit Menschen auf unserem „Raumschiff Erde“ aber durch den Orbit reisen können, benötigt der Planet eine gewisse Grundausstattung, die leider positive und zugleich negative Eigenschaften besitzt. Nehmen wir als eines von vielen Beispielen: Wasser. Zu wenig Wasser lässt verdursten, zu viel dagegen ertrinken. Das sind „Konstruktionsfehler“ unseres Himmelskörpers, unter denen Viele auch leiden müssen – etwa durch Flutkatastrophen, bei denen Versicherungen etwas blumig von „höherer Gewalt“ sprechen.
Dafür ist im Prinzip Gott verantwortlich. Er hätte folgerichtig auf die Entstehung der Menschen verzichten können, um ihnen so das Leiden zu ersparen.
Schließlich sind Menschen etwa auch für die artgerechte Haltung von Haustieren verantwortlich, und sollten vor entsprechenden Anschaffungen genau prüfen, ob sie deren Wohlergehen sicherstellen können.

Da Gott uns aber offenbar unbedingt ins Leben rufen wollte, lässt er dabei nicht nur fahrlässig, sondern ganz bewusst Leiden zu – auch die Leiden Unschuldiger. Er handelt jedoch aus Liebe, und nicht beispielsweise aus Neugier: Die Menschen mit all ihren Leiden tun ihm deshalb leid. So sehr, dass er seine Verantwortung wirklich ernst nimmt und in Jesus selber Mensch wird.
Der unbegreifliche Gott wird greifbar, er macht sich dadurch auch angreifbar. Aus tief empfundener Solidarität mit allen Leidenden dieser Erde nimmt er in Christus selber schlimmste Leiden auf sich. Er lässt sich sogar zu Tode foltern, um uns seine Liebe bis zum letzten Blutstropfen zu beweisen. Und mehr als sein Leben kann auch selbst Gott als Mensch nicht geben. -

Den Glauben an „Einen Gott“ kennen auch andere Religionen. Sie lehnen jedoch Gedanken an Leiden Gottes ab, die er durch eine Menschwerdung auf sich nimmt. Einer Kritik wegen der Schuld Gottes, seiner Letztverantwortung für alles Leiden und letztlich auch für alles Böse auf der Erde können diese Weltanschauungen also nicht mit einem liebenden oder auch nur gerechten Gott begegnen. Sie versuchen stattdessen eine hilfsweise Erklärung durch einen „Teufel“, der angeblich Menschen zu „Sündern“ macht, die bestraft werden müssen.
Nicht nur Atheisten weisen allerdings mit Recht darauf hin, dass es nachweislich Menschen gibt, die gar keine Sünder sein können und trotzdem entsetzlich leiden (etwa Babys, die in Afrika am Hungertod sterben). Außerdem wird dadurch unterstellt, dass Gott Grenzen habe, die ihm durch „eine Macht des Bösen“ gesetzt werden – das widerspricht aber dem Gedanken einer vollkommenen Freiheit Gottes.

Dass Gott aus Liebe zu den Menschen in Jesus Christus selber Mensch wird und für uns sogar sein Leben einsetzt, ist das Zentrum des christlichen Glaubens – das Geheimnis der Dreifaltigkeit. Deshalb können christliche Gläubige dieses Geistwesen lieben wie Kinder ihre liebevoll sorgenden Eltern. Sie müssen es nicht fürchten wie einen ungerechten und brutalen allmächtigen Politiker, der völlig willkürlich und unberechenbar oder zumindest mitleidlos seinen Untertanen gegenüber handelt, die ihm völlig wehrlos ausgeliefert sind. (Und eben - zumindest teilweise - auch vollkommen unschuldig.)
Nach christlicher Auffassung lässt Gottes Heiliger Geist seine Gläubigen spüren, dass er menschliches Leid zwar nicht will, aber wegen sich einander ausschließender Gegensätze in der Natur nicht vermeiden kann. Er hätte andernfalls eben die Entstehung der Menschheit überhaupt verhindern müssen. Der absolute Vorrang der Liebe ist Kern des Lebens von Jesus Christus und auch unserer Religion.

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