Würdiger Abschied – das „Haus der Innigkeit und Ruhe“

Schrein der Verabschiedung / Bild: privat
Schrein der Verabschiedung
privat

 Im Leben geliebt – im Tode unvergessen

Ulrich Rankers aus Nettetal - Breyell ist ein Mitglied der alt-katholischen Kirchengemeinde in Krefeld. Darüberhinaus ist er ein Künstler und hat sich in letzter Zeit mit Sterben, Trauer und Abschied auseinander gesetzt. Für Ihn ist es wichtig, dass dem toten Menschen die letzte Ehre in würdevoller Weise erwiesen werden kann. Aber auch die Angehörigen sollen einen besinnlichen Rahmen finden, sich von ihm zu verabschieden. Für den toten Menschen soll eine würdige Ruhestätte und für die Hinterbliebenen ein Ort der Erinnerung geschaffen werden.

Heute werden etwa 62 Prozent aller Verstorbenen kremiert (verbrannt) und dann entweder in Erdbestattung oder in einem Kolumbarium beigesetzt. Sehr häufig geschieht dies in schmuckloser Weise, die die Angehörigen trostlos zurück lässt. Ein Urnenschrein und Schrein der Verabschiedung sind Möglichkeiten, den Abschied würdig zu gestalten und der Liebe über den Tod hinaus Ausdruck zu geben. Die Angehörigen können sich bei der Trauerfeier vor dem Schrein der Verabschiedung, der die Aschenkapsel aufnimmt, von dem Verstorbenen verabschieden. Das ist eine neue Form von Abschiedsfeier und Trauerarbeit. Nach der Trauerfeier wird der Schrein der Verabschiedung von der Trauergemeinde bis zu einem Erdgrab oder zu einem Kolumbarium getragen, um die Asche des Toten dort beizusetzen. Der Schrein kann von Teilnehmern der Trauergemeinde getragen werden. Jeweils zwei Trauergäste tragen ihn abwechselnd bis zum Bestattungsort. Dies ist eine besondere Art, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.

Ulrich Rankers hat der alt-katholischen Kirchengemeinde einen solchen Schrein der Verabschiedung gebaut. Dabei handelt es sich um einen Würfel aus grün patiniertem Messing. Vorne sind zwei Flügeltüren, durch die die Aschenkapsel in den Schrein gestellt werden kann. Während der Trauerfeier bleibt dieses Portal offen und ermöglicht so einen Blick auf die Aschenkapsel. Der Schrein selbst steht auf einem Podest und wird von Blumen und brennenden Kerzen umrahmt. Bei der Überführung an den Beisetzungsort ist das Portal am Schrein geschlossen.

Für die Unterbringung der Aschenkapsel in einem Kolumbarium wird traditionell eine der im Kolumbarium vorhandenen Kammern verwendet. Das Einzige, was diese Kammer dann von anderen Kammern unterscheidet, ist die angebrachte Platte. Darum hat sich Ulrich Rankers auch Gedanken gemacht, wie man die Aschenkapsel würdevoller unterbringen kann. Dazu hat er, ähnlich dem Schrein der Verabschiedung, einen Urnenschrein entworfen. Metallarme ermöglichen es, den Urnenschrein vor der Wand im Kolumbarium schwebend zu halten. Name, Geburts- und Sterbedatum des Verstorbenen, auf Wunsch auch der Tag der Eheschließung, erinnern auch noch in späterer Zeit an den Toten. Mit einer  kleinen zylindrischen Vase aus Edelstahl und einer Kerzenhalterung wirkt der Urnenschrein schmuckvoller. Brennende Kerzen und Blumenschmuck sind Rituale der Trauer. Sie geben Sicherheit im Seelenempfinden. Dem Toten wird mit dem Urnenschrein ein „Haus der Innigkeit und Ruhe“ gebaut, für den Trauernden ein letzter Ausdruck ihrer Wertschätzung und Liebe zu dem Verstorbenen. Der Urnenschrein ist ein Würfel (Hohlkörper). Er nimmt die Aschenkapsel mit den Überresten des Verstorbenen auf. Je nach Wunsch kann der Urnenschrein mit den unterschiedlichsten Materialien verkleidet werden (z.B.  Glas, Textilien,  Furniere). Man kann ihn auch in allen Farbtönen lackieren.

Eine authentische, würdevolle Trauerfeier, bzw. Abschiedsfeier und ein ansprechender, heimatlicher Ort für unsere Verstorbenen sind elementare Begleiter beim Prozess für eine gereifte und abgerundete Trauerarbeit und Trauerbewältigung.
- Ulrich Rankers -

Der Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, Oliver Wirthmann, sagte, dass die Bestattung von Verstorbenen ein fundamentaler Bestandteil der Gesellschaftsstruktur und der Kultur sei.

Menschliche Kultur beginnt dort, wo Menschen ihre Toten nicht auf freiem Feld liegen lassen, sondern dort, wo Menschen Tote zur Erde bestatten oder verbrennen und einen Stein / eine Platte  des Gedenkens aufstellen.
- Oliver Wirthmann -

Die symbolischen Gesten und Rituale schaffen in Verbindung mit dem Urnenschrein und dem Schrein Der Verabschiedung einen würdigen Abschied.

Hier noch einige Erläuterungen:

  • Aschenkapsel: Ein schmuckloses Zweckgefäß zur Aufbewahrung der„Totenasche“ wird vom Krematorium gestellt. Diese Aschenkapsel kann dann in eine Schmuckurne oder einen Urnenschrein gegeben werden.
  • Kolumbarium, auch Columbarium (von lateinisch columbarium, der Taubenschlag; zu columba, die Taube, bzw. eigentlich die Dunkle), war ursprünglich die Bezeichnung für einen Taubenschlag; wegen der optischen Ähnlichkeit wurden dann auch altrömische Grabkammern mit reihenweise übereinander angebrachten Nischen zur Aufnahme von Urnen nach Feuerbestattungen so benannt. Heute bezeichnet man als Kolumbarium ein Gebäude oder Gewölbe, das der Aufbewahrung von Urnen dient und oft einem Friedhof oder Krematorium angegliedert ist.
  • Kremation/kremieren: Das Verbrennen der Toten in einem Krematorium.
  • Übertragungsschrein: Ein Gehäuse zur Aufbewahrung der Aschenkapsel während der Trauerfeier (kleiner Tempel). Im Übertragungsschrein wird die Aschenkapsel zum Bestattungsort getragen (entweder zum Kolumbarium oder zum Urnenerdgrab). Auch Schrein der Verabschiedung.
  • Urnenschrein: Ein Hohlwürfel der nur die Aschenkapsel mit der Totenasche ohne die Schmuckurne aufnimmt.