Vorurteil und Wirklichkeit

Heute ist Vollmond. „Na und?“ fragen die Einen. „Furchtbar, dann drehen wieder alle durch !“ behaupten die Anderen. Was stimmt ?

Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben inzwischen belegt, dass weder die Zahl der Verkehrsunfälle und Verbrechen noch die der psychischen Störungen oder Komplikationen nach medizinischen Eingriffen ansteigt, wenn der Erdtrabant nachts voll und rund sichtbar ist. Alles Andere gehört in die Gerüchteküche: Vermutungen und Behauptungen, die sich nicht beweisen lassen.

Genauso wie etwa die „Mondtäuschung“: Eine irrtümliche Wahrnehmung, durch die der Mond in der Nähe des Horizonts größer zu sein scheint als wenn er hoch am Nachthimmel steht. Auch diese Annahme ist falsch – es handelt sich vielmehr um eine optische Täuschung, deren wahre Ursache bis heute noch nicht wirklich geklärt ist.

Warum hält sich jedoch derartiger Aberglaube mit scheinbar unüberwindbarer Hartnäckigkeit ? Wahrscheinlich, weil jede zufällig zutreffende persönliche Empfindung das einmal entstandene Vorurteil zu bestätigen scheint. Während abweichende Eindrücke gar nicht mehr ernsthaft geprüft, sondern verdrängt oder ausgeblendet werden. Nicht die persönliche Theorie wird der Wirklichkeit angepasst, sondern die Realität wird nur noch insoweit bewusst erfasst, als dass geeignet sortierte Momentaufnahmen zum ganz eigenen Weltbild zusammengebastelt werden können.

Dagegen kann uns sogar eine normale Vollmondnacht daran erinnern, dass wir uns bei der Bildung unserer Vorurteile über Gott und die Welt auch ruhig immer wieder von Fakten beirren lassen sollten.

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