Religion und Politik

Spätestens seitdem Großbritannien am 9.Dezember 1917 das vorher zum Osmanischen Reich gehörende Jerusalem übernommen hatte, gewannen Fragen an Bedeutung, wie religiös Politik sein darf oder wie politisch Religion sein muss. So hatte zum Beispiel schon 40 Jahre früher Fürst Bismarck den Satz geprägt: „Mit der christlichen Bergpredigt kann man keine Politik machen.“ Tatsächlich handeln aber alle Menschen politisch, auch jene, die beide Bereiche in ihrem Leben trennen oder sich ganz aus der Politik heraushalten wollen, weil diese angeblich ein „schmutziges Geschäft“ sei. Wer das glaubt, stabilisiert schlicht die herrschenden Verhältnisse – das trifft natürlich genauso auf religiöse Gruppierungen zu.

Daher sollten gerade sämtliche Religionen vielmehr in dem Sinne politisch werden, dass sie die Bedürfnisse aller Menschen gleichermaßen in den Blick nehmen – auch derjenigen, die einer anderen oder keiner Religion angehören.

Denn dabei gilt eine zentrale Voraussetzung, die in einem Satz Albert Einsteins auf den Punkt gebracht worden ist: „Wer menschliche Autoritäten mit der Wahrheit verwechselt, vergisst, dass die Wahrheit selbst die einzige wirkliche Autorität ist.“ Gläubige aller Konfessionen müssen immer wieder neu lernen, eigene Überzeugungen ernst zu nehmen, ohne sie jedoch zu den einzig wahren zu erklären.

Kein Mensch und keine „Weltanschauung“ ist unfehlbar im alleinigen Besitz der Wahrheit: Die kommt allein Gott zu. Gemäß dem Buche Genesis sind wir Menschen zwar nach dem Vorbild Gottes entstanden, aber wir sollten uns niemals an seine Stelle setzen wollen.

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