Impuls zum Evangelium Joh 21,1-14

Fische fangen / Bild: Anke Sundermeier auf Pixabay
Fische fangen
Anke Sundermeier auf Pixabay

Jesus offenbarte sich den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling), Natanael aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus
sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu
ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz  aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.

Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa
zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig
großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.

Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn
sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war. So weit die Worte des heiligen Evangeliums; es sind Worte ewigen Lebens

Mit Jesus in einem Boot (Gedanken Albert Dexelmann)

Als ich dieses Evangelium gerade las - hat sich da etwas bewegt? Hat sich da die innere Waage bewegt? Die
Waage in uns, die wägt – die erwägt: was denn Gewicht hatte in unserem Leben und was umsonst geblieben
ist, leer und ohne Gewicht. Petrus spricht von dem Frust, von der Erfolglosigkeit, der Leere: Wir haben die
ganze Nacht gefischt und nichts gefangen. Nichts liegt auf der Waagschale. Und Jesus weist dem Petrus einen Weg aus diesem Frust zur Fülle des Lebens: Schau noch mal anders hin. Versuch‘s noch mal. Und dann kommt viel auf die Waage. So viel, so schwer, dass die Netze zu reißen drohen.
Wir können diese Waage nicht abstellen, unbewusst wägt und erwägt da etwas in uns: Was waren unsere
Lebensereignisse wert? Was hat aller Einsatz gewogen? Sie zittert in allen Lebensaltern, die innere Waage.
Erst recht bei denen, deren Lebenszeit sich allmählich erfüllt. Die innere Waage hält uns in Bewegung: Was
waren meine persönlichen Beziehungen wert? Welche davon hatten Gewicht in Glückszeiten und durch
Krisen hindurch? Wir erwägen: Meine berufliche Arbeit? Mein Dienst an den nächsten Generationen?
Jesus hat sich in unser Lebensboot eingeladen und erwägt mit uns.
Auch wenn man vom Rudern und der Schifffahrt und der Fischerei wenig Ahnung hat, dann spricht uns das
Bild an. Es ist ein großartiges Bild. Wir brauchen ein Bild dafür, wo es hingeht. Denn unser Leben hat ja ein
Ziel. Wo soll es denn hingehen, wo klärt sich alles?

Oft sind wir in der Frage unseres Lebensausgangs leider von jenem anderen Bild bestimmt: von dem
Gerichtsbild. Wo Christus der Richter ist und unser Leben auf der Armen-Sünder-Bank erwogen wird.
Furcht und Schrecken verbreitet dieses Bild. Und wir weichen aus, vermeiden es, überhaupt
vorauszuschauen, weil uns diese richterliche Prüfung Angst macht.
Ich meine, es ist nicht Jesu erbarmende Art, uns so innerlich scheu zu machen. Die erbarmende Art Jesu
finde ich viel mehr im Bild vom Boot. Im Boot wird die innere Waage aktiviert. Ja, Jesus ist mit uns im Boot.
Das Auf und Ab unseres Lebens, es bewegt auch ihn. Und wo Frust ist und Leere, da macht uns Jesus auf
Augenhöhe einen Vorschlag: Schau noch mal neu hin. Lass dich nicht hypnotisieren von deinem Frust wegen
der leeren Waagschale. Riskiere einen neuen Versuch.
Sollten wir diesen Traum nicht öfter träumen? Jesus ist mit mir in einem Boot. Er ist im Gespräch mit mir. Er
erwägt wertschätzend mit mir meine Lebensfrüchte. Er lässt mich nicht im Frust verkommen. Er schenkt mir
eine neue Sicht, einen neuen Versuch. Werft eure Netze auf der rechten Seite aus. Gewiss: Das Leben ist ein
Abenteuer. Oft auf schwankendem Boden. Aber: Jesus ist mit drin in diesem Abenteuer. Er gestaltet mit uns
das Erwägen.
Träumen wir immer wieder ausgiebig diesen Traum! Du mit Jesus in einem Boot. Das darf ein Grundtraum
unseres Lebens werden. Als bleibende jugendliche Träumerei. Als Begleitung eines Lebens, in dem es viel zu
tun gibt. Als Erfüllung im Altersfrust. Dann nimmt Jesus uns mit zur fruchtbaren Ernte. Zum sonnenhellen Lebenshafen. Zu dem festlichen Fischgrill, in dem der Morgen des ewigen Ostern anbricht

 

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