Impuls zu MT 14, 13-21

Brot teilen  / Bild: Matthias Boeckel auf Pixabay
Brot teilen
Matthias Boeckel auf Pixabay

Evangelium: Mt 14,13-21 †

In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück. Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach. Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken. Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen! Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier. Er antwortete: Bringt sie mir her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten und alle aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder. So weit die Worte des heiligen Evangeliums; es sind Worte Ewigen Lebens.

Impulse

Manche von uns genießen gerade Ferien. Ich gönne es denen von Herzen. Andere stehen vielleicht aber auch noch davor. Völlig urlaubsreif. So geht es uns jedes Jahr. Wie dem auch sei: Einen Satz aus dem Evangelium hören wir alle mit besonderer Einfühlung: Er fuhr - mit dem Boot - in eine einsame Gegend, - um allein zu sein. Jeder von uns kann das nachvollziehen. Nach all dem Stress und der Hektik, mit den Problemen bis zum Hals zu. Berufliche Forderungen, vielleicht sogar Überforderungen, oft auch wirtschaftliche Sorgen, besonders jetzt in der Corona-Zeit. Krankheit, Alter. Politische Engpässe. Im Evangelium ist Johannes gerade enthauptet worden. Wir erinnern uns an die tanzende Salome. Ihre Mutter war sehr erbost über die Kritik Johannes des Täufers. Johannes hatte ihren Ehebruch getadelt. Ihr neuer Liebhaber Herodes Antipas war das „im Wind schwankende Rohr“, der „Mann in feiner Kleidung“. Das Evangelium am dritten Adventssonntag spielte auf ihn an. Menschen mit zögernd - schwankendem Charakter und aufwendigem Protzertum sind immer unberechenbar. Das spürt auch Jesus.

Es wundert uns deswegen nicht, dass Jesus erst einmal weg will. Bloß weg aus diesem ganzen Schlamassel. So ergeht es uns bei jedem Urlaub. Die wenigen Urlaubstage sind oftmals eine rettende Insel. Jesus hat deswegen meine - wahrscheinlich nicht nur meine! - volle Sympathie. Erst einmal raus. An einen einsamen Ort. Niemanden sehen und von niemandem angefragt und erst recht nicht angefordert zu werden: weg an einen einsamen Ort!

„Aber die Leute hörten davon und liefen ihm zu Fuß nach.“ Dieses schreckliche „aber“. Die durchkreuzenden Ereignisse. Uns werden etliche Situationen einfallen, wie die schönsten Pläne buchstäblich durchkreuzt werden. Mal sind es die Kinder, mal der Ehepartner, mal der Chef, die Firma? „Sie dürfen uns jetzt nicht sitzen lassen.“ Das kann ein Kompliment, eher aber noch eine Drohung sein. „Niemand kann das so gut wie Sie.“ Auch Lob kann fesseln und jede Freiheit nehmen. Jesus hatte Mitleid. Das geht vielen von uns so. Sobald wir erst einmal konkrete Gesichter sehen, gehen wir nicht einfach weiter. Sobald wir von einer konkreten Situation, einer Not, einem Engpass gehört haben, geht es uns an, spricht es uns an. Wir lassen es an uns herankommen. So auch Jesus. Alle Fragen werden für ihn wichtig. Alle Sorgen lässt er in Ruhe aussprechen. Im Leid der anderen leidet er selbst. Er heilt die Kranken. Er hat Zeit. Den ganzen Tag über. Das, was „dazwischen gekommen ist“, hat Vorrang. Der zunächst störende Zwischenfall wird zur Hauptsache. Lange bevor das Brot geteilt wird, wird Zeit geteilt. Das wollen und dürfen wir nicht übersehen.

Und dann kommt der Abend und der Hinweis der Jünger: Schick sie doch weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Die Leute waren wirklich hungrig. Und sie werden umfassend satt. Denn Jesus hat die Menschen nicht nur symbolisch gespeist, sondern sehr konkret, erfahrbar und spürbar. Und dabei immer wieder neu die bohrende Frage: Wie ist das genau abgelaufen? Hat sich das Brot in der Hand Jesu vermehrt? Oder in der Hand der Jünger? Oder in der Hand der Leute? All unsere berechtigten Fragen werden in dem Evangelium deutlich in eine andere Richtung gelenkt: „Jesus sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt.“

Bei diesem Satz sehe ich gerade in großer Lebendigkeit die vielen Hände vor mir, die in Empfang nehmen, weitergeben, die selbst beschenkt werden und sofort anderen weiterschenken. Eine lebendige Bewegung kommt in Gang. Immer zu wenig. Gebt Ihr ihnen zu essen! Die Jünger halten wenig Brot in der Hand. „Lächerlich. Was werden wir damit ausrichten? Wir stehen sehr schnell mit leeren Händen da.“ Das ist offensichtlich eine Grunderfahrung unseres Glaubens. Wir haben immer zu wenig in unseren Händen. Wenig Brot für viele Hungernde. Wenige Antworten auf so viele Fragen. Wenig Kraft für schwere Aufgaben. Wenige Leute für riesige kirchliche und pastorale Herausforderungen. In einem Lied von Lothar Zenetti heißt es: „So viele Geräusche! So viele Beweise! So viele Termine! So viele Parolen! So viele Gedanken! So viele Programme!“

Auf all diese Herausforderungen und Fragen bleibt die Antwort richtig: „E i n Wort ist wahr. E i n Weg ist wahr. Die Liebe zählt.“ Das Wenige reicht nur dann, wenn wir es teilen. Wer das aus der Hand Gottes Empfangene behalten will, verliert es. Wer aber gibt, vermehrt. Dies ist das Gesetz des Glaubens. Wer es in die Tat umsetzt, wird seine Wahrheit, seine Stimmigkeit erfahren. Denken wir in der kommenden Woche mal über diese Gesetzmäßigkeit nach. Erinnern wir uns, wo sich diese Gesetzmäßigkeit in unserem Leben bewahrheitet hat. Und sprechen wir auch mit anderen darüber.

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