Impuls zu Joh 6,51-58

ich bin das lebendige Brot / Bild: Matthias Boeckel auf Pixabay
ich bin das lebendige Brot
Matthias Boeckel auf Pixabay

Evangelium: Joh 6,51-58

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes. In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.  Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen:  Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.  Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist nicht wie das Brot, das die Väter gegessen haben, sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit. So weit die Worte des heiligen Evangeliums; es sind Worte Ewigen Lebens.
 
Impulse zum Nachdenken:

Jesus vergleicht sich mit Brot. Keine Delikatesse möchte er sein, die man sich „nur alle heiligen Zeiten einmal“ gönnt, kein Feinschmeckergericht, das sich nur wenige leisten könnten, kein raffiniertes Design-Food, gezaubert für einen kulinarischen Abend. Nein, Brot, das man zur Hand hat. Jesus denkt an das rasch aus Mehl, Wasser und etwas Salz geknetete dünne Fladenbrot, gebacken daheim im Ofen oder unterwegs an einem Übernachtungsplatz auf einem Stück Blech über der Glut. Immer verfügbar und in jeder sozialen Schicht üblich - das sind Kennzeichen, die Jesus wichtig sind. Solches Brot, sagt er, bin ich für euch. 
 Warum dann der Streit, der im Evangelium entbrennt? Die Kontroverse flammt auf mit Jesu Satz: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch (ich gebe es hin) für das Leben der Welt.“ Seine Kontrahenten („die Juden“) verstehen sehr gut, was er meint - und finden es unerhört: Brot zu versprechen, das mag gerade noch angehen. Aber zu sagen, dieses Brot sei sein Leben, sein „Fleisch“, das er „hingebe für das Leben der Welt“, und das müsse man „kauen“ (!), sonst habe man das Leben nicht in sich, das geht für sie zu weit. 
 Verstehen wir es denn? Sagt uns dieses Wort Jesu etwas, uns, die Jesu Aussage nicht überrascht, sondern die wir eine „Lerngeschichte“ von fast 2.000 Jahren im Rücken haben? Die drei anderen Evangelien überliefern dieses Wort Jesu in einem ganz anderen, viel intimeren Zusammenhang: beim Letzten Abendmahl. Da sagt Jesus dem vertrauten Jüngerkreis: „Nehmt (und esst), das ist mein Leib“ (Mt 26,26; Mk 14,22); „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“, schreibt Lukas. 
 Hätten wir „nur“ diese drei Evangelien, könnte man versucht sein zu meinen, das Lebensbrot gehöre nur dem vertrauten Kreis der Jesusjünger, sei also denen vorbehalten, die, von Jesus fasziniert, mit ihm gehen; es gehöre also in die Kirche. Johannes aber (ausgerechnet der „meditativste“ Evangelist) lässt auch hier keinen Zweifel: Das „Lebensbrot“ ist Jesu Leben, sein „Fleisch, hingegeben für das Leben der Welt“.  
 Verrat an Jesu Zusage und Auftrag wäre es, Eucharistie als bloße Erinnerung zu feiern. Er will und kann unser Lebensbrot heute sein und das der Welt. Heute - nicht nur am Festtag - sind wir dran, das deutlich zu machen: Indem wir selbst „Brot“ sind für die Menschen, mit denen wir leben. Indem wir unser eigenes „Fleisch“ einsetzen zum Wohl anderer. Nur dann stimmt es, Brot mit dem Namen Jesu zu verbinden, sei es im Bäckerladen oder in der Kirche. 

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