Heiliges Land?

Pfarrämter sind bevorzugte Zielgruppe für bestimmte Touristikunternehmen, die „biblische“ Reisen nach Israel anbieten. Als ich mich vor einigen Jahren beinahe einmal entschlossen hatte, solch ein Angebot anzunehmen, da berichteten die Medien aktuell über regelrechte Schlägereien in der Jerusalemer Grabeskirche, bei denen „christliche“ Mönche aufeinander eindroschen, dass nur so die Fetzen flogen. An dem Ort, wo der Überlieferung nach Christus aus Liebe sein Leben gegeben haben soll, verprügelten sich Leute gegenseitig, um Gott besonders nahe sein zu können.

Dass sich jüdische und islamische Fundamentalisten im „Heiligen Land“ gegenseitig das Leben schwer machen, ist ja hinreichend bekannt. Aber dass dies dort auch heute noch im Namen von Jesus geschieht, der Mensch gewordenen Liebe Gottes – das hat
mich letztlich bewogen, daheim zu bleiben und stattdessen sonntags einmal zu Fuß mit Gemeindemitgliedern nach „Klein-Jerusalem“ bei Willich-Neersen zu wandern.

Dort kann man zwar nur eine Nachbildung des berühmten Grabes sehen – aber es stört mich überhaupt nicht, dass dieser Ort nicht „echt“ ist. Zumal Jesus nach christlicher Überzeugung ja in der „wahren“ Gruft nicht einmal knapp zwei Tage gelegen haben soll.
Doch dafür ist Klein-Jerusalem ein friedlicher Ort. Und eine Stelle, wo Frieden herrscht und sich so die Liebe Gottes zeigt, ist für mich weit wichtiger als vermeintliche oder tatsächliche Original-Schauplätze, an denen sich Menschen im Namen Gottes niedermachen.

So kann ein offenbar unbedeutender Flecken Erde am Niederrhein „Heiliges Land“ sein...

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