Aktuelles aus dem Bistum

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Für Alle, Fürs Leben, Meine Kirche
Aktualisiert: vor 6 Minuten 14 Sekunden

Neues Amtsblatt erschienen

Do, 22.07.2021

Regelungen zur Flexibilisierung der Lebensarbeitszeit, zur Ermöglichung einer digitalen Synode und zur Coronapandemie finden sich im aktuellen Kirchlichen Amtsblatt, das außerdem alle personellen Veränderungen seit Dezember 2020 dokumentiert.

Die aktuelle Ausgabe können Sie hier herunterladen.

Bischof bittet um Spenden für die Opfer der Hochwasserkatastrophe

Fr, 16.07.2021

Bischof Matthias Ring hat die Gemeinden gebeten, die Kollekten der Gottesdienste am kommenden Wochenende den vom Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen betroffenen Menschen zu widmen. Man werde die eingehenden Gelder über die großen Hilfswerke den Geschädigten zukommen lassen oder über die Gemeinden vor Ort konkrete Projekte und Personen unterstützen.

Die Bilder aus den betroffenen Regionen, das unvorstellbare Ausmaß der Zerstörung und das Leid der Menschen bewegen mich zutiefst„, so Bischof Ring. „Ich bitte die Gemeinden, im Gebet der Menschen in den Flutgebieten zu gedenken, vor allem auch der unfassbar hohen Zahl an Toten.

Wenn Sie spenden möchten, ist dies möglich auf das Spendenkonto des Bistums unter dem Stichwort „Hochwasser“: IBAN  DE 38 3705 0198 0007 5008 38

Für eine Spendenquittung geben Sie bitte im Betreff nach dem Zweck ihre Adresse an.

Diakonatsweihe in Karlsruhe

Fr, 16.07.2021

Am kommenden Sonntag, dem 18. Juli 2021, wird der Christoph Lichdi in Karlsruhe von Bischof Dr. Matthias Ring zum Diakon geweiht. Lichdi ist seit einem Jahr als Pfarramtsanwärter in den Gemeinden Karlsruhe und Landau tätig. 

Pfarramtsanwärter Christoph Lichdi

Christoph Lichdi wurde 1978 in Bad Reichenhall geboren. Er studierte Musik an der Hochschule für Musik in Würzburg (Dirigieren, Orchesterleitung) und war an verschiedenen Theatern u.a. als Studienleiter und Kapellmeister tätig. Sein Theologiestudium in Luzern und Bonn schloss er 2020 mit dem Master in Alt-Katholischer und Ökumenischer Theologie ab.

Der Weihegottesdienst beginnt um 14.00 Uhr. Bei gutem Wetter wird er im Garten neben der Christi-Auferstehungskirche gefeiert. Wegen des begrenzten Platzangebots ist eine Anmeldung im Pfarramt Karlsruhe zwingend notwendig.

Informationsnachmittag Alt-Katholische Theologie

Di, 13.07.2021

Das Alt-Katholische Seminar der Universität Bonn lädt zu einem Informationsnachmittag am 14. Juli ein. In der Ausschreibung heißt es:

„Haben Sie Interesse am Masterstudium „Alt-Katholische und Ökumenische Theologie“? Möchten Sie Studierende und Lehrende des Alt-Katholischen Seminars einmal kennenlernen? Sind Sie neugierig auf Einblicke in Geschichte und Gegenwart der alt-katholischen Kirche? Wollen Sie mehr über Berufsaussichten im alt-katholischen und ökumenischen Umfeld erfahren? Dann sind Sie herzlich zum Informationsnachmittag am Mittwoch, den 14. Juli, um 16 Uhr eingeladen.

Pandemiebedingt findet die Veranstaltung online statt; eine Anmeldung ist unter infoak [at] uni-bonn.de möglich.“

Heidelberg ausgeschrieben

Mi, 30.06.2021

Zur Neubesetzung wurde die Gemeinde Heidelberg ausgeschrieben. Der derzeitige Stelleninhaber, Dekan Bernd Panizzi, tritt Ende August in den ehrenvollen Ruhestand. Die Bewerbungsfrist endet am 26. Juli.

Bischofskonferenz erstmals mit Bischof aus Schweden

Mi, 23.06.2021
Bischof Thomas Petersson und Bischof Matthias Ring

Erstmals nahm mit Bischof Thomas Petersson ein Vertreter der protestantischen Kirche von Schweden als ständiger Gast an der Internationalen Alt-Katholischen Bischofskonferenz (IBK) teil. Nachdem zwischen den Kirchen der Utrechter Union und Kirche von Schweden bereits 2016 Kirchengemeinschaft hergestellt worden war, hatte die IBK beschlossen, zu ihrer Jahrestagung auch einen Repräsentanten der Kirche von Schweden als ständigen Gast einzuladen.

Thomas Petersson ist Bischof von Gotland und für alle Gemeinden außerhalb Schwedens zuständig. Das Bild zeigt Bischof Petersson mit Bischof Matthias Ring anlässlich eines Zusammentreffens in Berlin 2018.

Bischofskonferenz tagt digital

Mo, 21.06.2021

Von Montag bis Mittwoch dieser Woche tagt die Internationale Alt-Katholische Bischofskonferenz (IBK). Die Jahrestagung der Bischöfe findet zum zweiten Mal digital statt, wobei diesmal die Sitzungszeiten so gewählt wurden, dass auch die Gäste aus den USA und von der Indischen Mar Thoma Kirche teilnehmen können. Am ersten Konferenztag werden zusätzlich die anglikanischen Bischöfe für die Gemeinden auf dem Kontinent dabei sein.

Auf der Tagesordnung stehen neben dem „Alltagsgeschäft“, wozu die ökumenischen Kontakte und die Berichte aus den Kirchen gehören, ein Austausch über die verschiedenen Aspekte der Corona-Pandemie und der Abschluss des Konsultationsprozesses zum deutschen Synodenantrag über die rechtliche und liturgische Gleichstellung von gleich- und verschiedengeschlechtlichen Ehen.

Frauen in der Kirchenleitung – römisch-katholisch & alt-katholisch

Fr, 11.06.2021
Katholisch-Soziale Akademie Lingen lädt zu Online-Veranstaltung mit Generalvikarin Goller und Seelsorgeamts-Leiterin Kreidler-Kos

Unter dem Titel „Frau – Katholisch – Chefin. Wie sich Kirche ändert, wenn Frauen sie leiten“ lädt die Katholisch-Soziale Akademie Lingen am Mittwoch, 23. Juni 2021 um 19.30 Uhr zu einem Online-Akademieabend ein.

Als Referentinnen werden die alt-katholische Generalvikarin Anja Goller und die römisch-katholische Leiterin des Seelsorgeamtes des Bistums Osnabrück, Martina Kreidler-Kos an dem Abend über ihre Erfahrungen und das unterschiedliche Amtsverständnis in diesen beiden katholischen Konfessionen sprechen.

Ausführliche Informationen, auch zum Anmeldeverfahren für diese Veranstaltung, finden Interessierte auf der hier verlinkten Einladung.

Pfarrer Saam in Offenburg und Baden-Baden eingeführt

Mo, 07.06.2021

Am vergangenen Wochenende wurde Daniel Saam in das Amt des Pfarrers der Gemeinden Baden-Baden und Offenburg eingeführt. Die Einführung nahm an beiden Orten Dekan Bernd Panizzi (Heidelberg) in Vertretung von Bischof Matthias Ring vor.

Daniel Saam war im Oktober 2020 von den Gemeindeversammlungen gewählt worden. Er war vorher Pfarrer der Gemeinden Regensburg und Passau.

Einführung in Offenburg Einführung in Baden-Baden

Wegstationen

So, 23.05.2021
28.-30. Mai 1871: Die Münchener Pfingsterklärung

Am 17. April 1871 wurde Ignaz von Döllinger vom Münchener Erzbischof exkommuniziert und somit aus der Sakramentsgemeinschaft der katholischen Kirche ausgeschlossen. Damit aber erhielt der Protest gegen die Papstdogmen des Vatikanischen Konzils eine neue Dimension. Viele fragten sich, wie es jetzt weitergehen sollte, nachdem der unbestrittene Motor der Protestbewegung ausgeschaltet worden war.

Johann Josef Ignaz von Döllinger (1799-1890)

Diese Frage stellten sich auch Freunde und Weggefährten Döllingers, die auf seine Einladung hin am Pfingstfest 1871 in München zu einer Lagebesprechung zusammengekommen waren. Am Ende ihres Treffens verabschiedeten sie eine wesentlich von Döllinger entworfene Erklärung, in der sie ihren Protest gegen die vom Vatikanischen Konzil verabschiedeten Papstdekrete zusammenfassten:

In Punkt 1 wird die Pflicht aller Katholikinnen und Katholiken betont, am alten katholischen Glauben festzuhalten und jede Neuerung, „würde sie auch von einem Engel des Herrn verkündet“, abzuweisen. Eine solche Neuerung sehen sie in den vatikanischen Dogmen gegeben. Nach ihrer Überzeugung werde durch die Dogmen zudem die alte kirchliche Überlieferung entkräftet, nach der nur das als katholische Lehre verpflichtend angenommen werden müsse, „was jederzeit, überall und von allen gelehrt und geglaubt“ worden sei.

In Punkt 2 wird vor einer Gefahr für Staat und Gesellschaft gewarnt, da die Papstdogmen unvereinbar seien mit den „Gesetzen und Einrichtungen der gegenwärtigen Staaten.“ Katholiken stünden, wenn sie die Dogmen annähmen, vor einem „unlösbaren Zwiespalt“ mit ihren dem Staat gegenüber einzuhaltenden Pflichten und Eiden. In diesem Punkt spiegelt sich auch der Vorwurf protestantischer und politisch liberaler Kreise wider, die den Katholiken, aufgrund ihrer religiösen Verpflichtungen dem Papst gegenüber, eine gewisse nationale Unzuverlässigkeit vorwarfen. Es sollte zudem nicht vergessen werden, dass die Auseinandersetzung um die Papstdogmen in den beginnenden Kulturkampf fiel.

Punkt 3 greift das Verhalten der deutschen Bischöfe auf, die nach Meinung der Verfasser der Erklärung durch ihre widersprüchliche Haltung gegenüber den neuen Dogmen zu unfreiwilligen Zeugen für die Richtigkeit des Protests geworden seien. Mit den Bischöfen sind hier die Vertreter der Konzilsminorität gemeint, die aus unterschiedlichen Gründen während des Konzils die Dogmen abgelehnt, vor der entscheidenden Schlussabstimmung Rom verlassen, aber dann sehr bald nach Ende des Konzils die Dekrete in ihren Diözesen in Kraft gesetzt hatten. Ihnen wird deshalb in der Erklärung auch „mangelnde Aufrichtigkeit“ vorgeworfen.

In Punkt 4 werden die „Drohungen der Bischöfe als unberechtigt, ihre Gewaltmaßnahmen [damit ist die Exkommunikation, der Ausschluss aus der Sakramentsgemeinschaft der Kirche gemeint] als ungültig und unverbindlich“ zurückgewiesen. Noch einmal wird darauf hingewiesen, dass es sich bei der Unfehlbarkeit des Papstes um eine neue Lehre handle, die in der katholischen Tradition höchstens als eine theologische Schulmeinung, nie aber als eine verbindliche Glaubenslehre existiert habe. Jetzt würden erstmals in der Geschichte Gläubige nicht deshalb exkommuniziert, weil sie eine neue Lehre verträten, sondern weil sie am alten katholischen Glauben festhielten.

Schließlich drückt die Pfingsterklärung in Punkt 5 die Hoffnung auf eine echte Reform in der Kirche aus. Dabei werden drei Bereiche hervorgehoben: Zum einen müsse es um den Abbau von Missbräuchen gehen, die sich in der Kirche im Laufe der Jahrhunderte eingeschlichen hätten und die durch die Dogmen nur noch gestärkt und unantastbar gemacht worden seien; zum anderen sei es notwendig, den Ortskirchen, bei aller notwendigen Einheit der Gesamtkirche, eine größere Selbständigkeit zuzugestehen. Schließlich wird eine Beteiligung aller Kirchenmitglieder an den Entscheidungen der Kirche, also eine synodale Kirchenstruktur gefordert. Dies wurde in der späteren Synodal- und Gemeindeordnung der Alt-Katholischen Kirche umgesetzt.

Günter Eßer, Bonn

Unser Pfarrer ist eine Frau

Fr, 07.05.2021
25 Jahre Priesterinnenweihe

Am Pfingstmontag vor 25 Jahren, am 27. Mai 1996, weihte Bischof Joachim Vobbe in Konstanz erstmals zwei Frauen, Angela Berlis und Regina Pickel-Bossau, zu Priesterinnen. Diese Weihen bildeten den Abschluss eines langen Diskussionsprozesses, der in den siebziger Jahren in den alt-katholischen Kirchen begonnen hatte und 1994 zum Beschluss der deutschen Synode führte, das apostolische Amt grundsätzlich für Frauen zu öffnen.

Foto: Weihegottesdienst Pfingstmontag 1996, von links Regina Pickel-Bossau und Angela Berlis

Aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums dieses Ereignisses lädt das Bistum zu einer Online-Veranstaltung am Pfingstmontag, 24. Mai, von 17.00 Uhr bis 18.30 Uhr ein. Dabei sein wird eine der ersten beiden Priesterinnen, Frau Prof. Angela Berlis (Bern). Sie ist nicht nur Zeitzeugin, sondern hat sich auch wissenschaftlich in vielfältiger Weise mit dem Thema „Frau und Kirche“ befasst. Angela Berlis wird zunächst einen historischen Rückblick auf die Frauenordination geben. Danach werden vier Priesterinnen in kurzen Statements verschiedene Aspekte der Thematik benennen und im Gespräch, das auch für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer offen ist, näher beleuchten. Die vier Frauen sind Pfarrerin Alexandra Caspari aus Augsburg, Pfarrerin Sabine Clasani aus Mannheim, Pfarrerin Klara Robbers aus Münster und Generalvikarin Anja Goller.

Interessierte erhalten den Zugangslink für die über Zoom durchgeführte Veranstaltung nach Anmeldung beim Bischöflichen Ordinariat: ordinariat [at] alt-katholisch.de

Ring frei, Runde 10 – Online

Mi, 28.04.2021

Der Bund Alt -Katholischer Jugend lädt ein zu „Ring frei, Runde 10“. Aufgrund der Coronapandemie finden die Programmpunkte digital auf unserem Discordserver statt.

Das Jugendwochenende beginnt am 29.04.2021 um 19.00 Uhr. Alle Programmpunkte sowie die ausführliche Einladung mit allen weiteren Infos findest du hier .

Parallel zu „Ring frei“ findet am Samstag, 01.05.2021 um 14.00 Uhr die Bistumsjugendvollversammlung statt. Hier stimmen wir über neue Beschlüsse ab und wählen unseren neuen Vorstand. Die Einladung mit allen wichtigen Informationen findest du hier.

Bei Fragen wende dich bitte an Lukas Bundschuh, baj [at] alt-katholisch.de, Mobil: 0171 837 6161

Bischof Matthias: Corona – auch eine theologische Krise

Fr, 23.04.2021

Für Bischof Matthias Ring zieht die Coronapandemie eine theologische Krise nach sich bzw. legt eine schon vorhandene Krise offen. In seinem Bericht vor der online tagenden Gesamtpastoralkonferenz fragte der Bischof selbstkritisch, was denn Kirche theologisch zur gegenwärtigen Krise zu sagen habe. Wenn es bei der negativen Botschaft bleibe, Gott habe damit nichts zu tun, dann dürfe sich Kirche auch nicht wundern, wenn sie als nicht existenzrelevant erlebt würde.

Wörtlich sagte Bischof Matthias: „Mich treibt der Verdacht um, dass eine bestimmte Art von Theologie an ihr Ende kommen könnte, die mir persönlich durchaus nicht fremd ist, mit der ich aber immer mehr Probleme habe. In anderem Kontext habe ich von einer zumutungsfreien Theologie gesprochen, also von einer Theologie, die im guten Sinne versucht, eine Frohe Botschaft zu formulieren, aber dies nur um den Preis der Nichtintegration der Negativität des Lebens vermag.“

Die Frage, ob und was wir zu dieser existentiellen Krise zu sagen haben, werde mehr über die Zukunft des Glaubens in dieser Gesellschaft entscheiden, als all die anderen Themen, die uns außerdem noch bewegten, so der Bischof.

Den vollständigen Text aus dem Bischofsbericht finden Sie hier:

Am Allerheiligentag 1755 zerstörte ein Erdbeben zusammen mit einem Großbrand und einem Tsunami die portugiesische Hauptstadt Lissabon fast vollständig. Mit 30.000 bis 100.000 Todesopfern ist dieses Erdbeben eine der verheerendsten Naturkatastrophen der europäischen Geschichte und hatte wie keine andere in der Neuzeit Auswirkungen auf Politik, Kultur und Wissenschaft. Auf die Theologie und Philosophie wirkte es wie ein Schock und setzte das Theodizeeproblem neu auf die Tagesordnung. Wie konnte Gott so etwas zulassen, noch dazu an einem hohen kirchlichen Feiertag?

In den letzten Wochen habe ich mich oft gefragt, ob Corona – zumindest für das europäische Christentum – nicht das ist, was Lissabon 1755 war. Anders ausgedrückt: Könnte es sein, dass die Pandemie eine theologische Krise nach sich zieht? Oder zieht sie diese Krise nicht nach sich, sondern legt sie nur offen?

Im vergangenen Jahr, vor allem nach dem ersten Lockdown, haben die Kirchen oft ihre Systemrelevanz beschworen. Das habe ich schon damals für skurril gehalten, denn erstens stellt sich immer die Frage, was mit System gemeint ist. Es gibt Systeme, für die sollte Kirche gar nicht relevant sein. Und zweitens ist Systemrelevanz immer auch eine Frage des Zeithorizonts. Ich kann zum Beispiel Schulen für vier Wochen ersatzlos schließen, aber nicht für ein Jahr.

Entscheidend wäre hingegen die Frage, ob Kirche existenzrelevant ist, und das bedeutet auch – neben aller Pastoral in der Krise –, ob wir theologisch etwas zu sagen haben. Für meine Generation ist diese Pandemie das erste Ereignis, bei dem nicht das Individuum für sich, sondern eine ganze Gesellschaft eine tiefgehende Kontingenzerfahrung macht. Die ersten theologischen Deutungen, die ich dazu vor einem Jahr hörte, waren von negativer Art: Corona sei keine Strafe Gottes. Dem würde ich vorbehaltlos zustimmen, aber genügt das schon? Mich machen Stimmen nachdenklich, wie die folgende:

„Das Virus macht endgültig deutlich, wie nutzlos die Kirchen mittlerweile geworden sind. Religiös Hilfreiches zur Bewältigung der Krise war von ihnen nicht zu hören. Gleich zu Beginn der Pandemie haben es die Bischöfe auf den Punkt gebracht: Gott habe mit Covid-19 nichts zu tun. Damit schossen sie sich selbst aus allen Debatten zur Bewältigung der Krise raus. … Corona liefert den endgültigen Beweis des Übergangs der Kirchen in die Nutzlosigkeit“. (Gerhard Wegner: Jeder stirbt für sich allein, in. FAZ, 14. Januar 2021, S.12)

Der, der dies geschrieben hat, ist kein Kirchengegner, sondern der Gründungsdirektor und Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD in Hannover, Gerhard Wegner. In ihrer Schärfe sind diese Worte natürlich ungerecht und leicht angreifbar, aber sie treffen meines Erachtens einen wunden Punkt.

Wir müssen in der Geschichte gar nicht so weit zurückgehen, da hätte es an theologischen Deutungen nicht gemangelt. Als Prüfung Gottes oder als göttlicher Prozess der Läuterung wurden jahrhundertelang Seuchen, aber auch Kriege verstanden. Noch der Zweite Weltkrieg wurde in Predigten und Hirtenbriefen so eingeordnet.

Heute ist es ganz anders: Um die Seuche zu erklären, sind Virologen und Epidemiologen gefragt, ebenso Soziologen, Psychologen und Wirtschaftsfachleute, wenn es um ihre Auswirkungen geht. In der Moderne gibt es nicht mehr den Deuter, sondern eine Ausdifferenzierung der Deutungsinstanzen, doch die Kirchen oder die Theologie gehören nicht dazu.

Ich selbst habe in zwei, drei Predigten versucht, das Thema für mich zu ertasten, aber dabei gespürt, dass es keine einfachen Antworten gibt. Wenn ich es nicht beim pastoralen Trost, der seine Berechtigung hat, oder bei theologischen Belanglosigkeiten belassen will, dann wird es schwierig. Mich treibt der Verdacht um, dass eine bestimmte Art von Theologie an ihr Ende kommen könnte, die mir persönlich durchaus nicht fremd ist, mit der ich aber immer mehr Probleme habe.  In anderem Kontext habe ich von einer zumutungsfreien Theologie gesprochen, also von einer Theologie, die im guten Sinne versucht, eine Frohe Botschaft zu formulieren, aber dies nur um den Preis der Nichtintegration der  Negativität des Lebens vermag. Manche Diskussionen in unserer Kirche über Opfer und Sühne oder über liturgische Formeln wie „Herr, ich bin nicht würdig“ oder die Vaterunser-Bitte zur Versuchung sehe ich heute mit anderen Augen. Ich frage mich, was man in solchen Situationen wie der gegenwärtigen in der Hand hat, wenn man aus dem theologischen Handwerkskasten Begriffe wie „Kreuz“ und „Opfer“ entfernt. Eine Theologie der reinen Positivität scheint mir immer mehr eine Schön-Wetter-Theologie zu sein, die nur bedingt einen Beitrag zur Kontingenzbewältigung leisten kann. Für Kirche, Theologie und Glaube stellt sich dann nicht mehr die Frage nach der Systemrelevanz, sondern die viel entscheidendere nach der Existenzrelevanz.

Einem Freund gegenüber habe ich neulich telefonisch beklagt, dass die Theologie nichts oder wenig Brauchbares zur Pandemie zu sagen habe. Bei einem späteren Telefonat kam er noch einmal darauf zurück. Ihm sei erst danach eingefallen, dass ich ja auch Theologe sei; ob ich denn auch nichts zu sagen hätte. – Diese Situation beschreibt meine eigene Ratlosigkeit sehr gut. Und dennoch frustriert mich diese Ratlosigkeit nicht, denn ich sehe in der offenen Frage eine spannende Herausforderung. Vielleicht, so meine derzeitige Vermutung, wird die Frage, ob und was wir zu dieser durchaus existentiellen Krise zu sagen haben, mehr über die Zukunft des Glaubens in dieser Gesellschaft entscheiden, als all die anderen Themen, die uns außerdem noch bewegen.

Bischof Dr. Matthias Ring

Gesamtpastoralkonferenz wieder digital

Do, 22.04.2021

Am Freitag beginnt die Gesamtpastoralkonferenz der Geistlichen, die auch in diesem Jahr digital stattfinden muss. Hauptpunkt der Tagung ist eine dreitägige Zukunftswerkstatt zum Thema „Alt-Katholische Kirche im Jahr 2030“ mit dem Coach und Supervisor Dr. Jürgen Wessel aus Köln.

Die Konferenz startet am Freitag mit dem Bericht des Bischofs. Es folgen Berichte aus weiteren kirchlichen Arbeitsfeldern, zum Beispiel zum Stand der Umsetzung des Missbrauchspräventionskonzepts . Die Konferenz endet am Dienstagnachmittag.

Ostergruß von Bischof Matthias

So, 04.04.2021

Per Video wünscht Bischof Matthias Ring ein frohes und gesegnetes Osterfest. Anhand einer äthiopischen Ikone entwickelt er seine Gedanken zur zentralen Botschaft des Ostertages: Ich fallen nicht ins Nichts, sondern bin von Gott gehalten.

Zur Videobotschaft klicken Sie bitte hier oder direkt auf das Bild.